
September 2024: Von Kitzbühel bis Venedig
Eigentlich sollte es in Füssen losgehen und die Via Claudia entlang. Es kam nur etwas Wetter dazwischen. Donau und Elbe führten ordentlich Hochwasser und in den Alpen gab es unerwarteten Wintereinbruch, der die Schneegrenze bis auf etwa 1200m hinunterzog.
Ebenso ist die Hochalpenstrasse gesperrt, welche einer der Hauptwege der Strecke darstellen sollte.
Also noch einen Zwischenstop in Wien eingelegt, mit der Idee nun in Salzburg zu starten.
Hierbei fiel auf, dass ich auf diesem Wege wieder durch Deutschland fahre. Das muss vermieden werden, daher starte ich in Kitzbühel; Die Route wurde ausführlichst (um)geplant.




Nach einer netten Unterkunft bei Kitzbühel geht es am Morgen erstmal ins Tal, man möchte natürlich keine Höhenmeter verschwenden.
Noch ist es neblig und recht frisch.
Zum Einstieg geht es erstmal ohne nennenswerte Steigungen auf asphaltierten Radwegen ins Brixental. Kleine malerische Dörfer und verdammt viele Kühe säumen den Weg. Von Westendorf aus geht es dann durchs Windautal. Zumindest war das der Plan. Gesperrt. Fangt ja gut an. Statt der offiziellen Alternativstrecke versuche ich abzukürzen (Komoot kennt da einen Weg!), und lande an einer Kuhweide. Anscheinend bin ich nicht der erste mit dem Problem, sodass ein schmaler Trampelpfad am Rand der Weide mich wieder auf die offizielle Strecke bringt. Es geht weiter aufwärts zur Gamskogelhütte auf etwa 1100m. Neben Kaffe und Apfelstrudel gibt es hier schon die ersten Schneefelder.
Eigentlich soll es noch 600 hm weiter über die Filzenscharte gehen, um danach Richtung Krimml an die Wasserfälle zu rollen. Die Wirtin macht mir nur bedingt Hoffnung, was meine Überquerung angeht, sagt aber auch nicht explizit, das es nicht ginge, also schraube ich mich weiter nach oben. Es wird weisser und ich kann langsam den Kamm sehen, den ich noch überqueren müsste – schaut sehr weihnachtlich aus. Vor der letzten Alm werkelt gerade jemand, also kurzerhand von der Arbeit abgehalten. Er meint, oben seien wohl noch so 1-1.5m Schnee… dazu Lawinengefahr.
Gut. Dreh ich wohl um. Zurück auf Start. Runter geht’s zumindest schneller und es gibt eine Alternativroute, sodass es auch nicht langweilig wird.
Fahrrad wieder in den Kofferraum und über die alte Passstrasse nach Krimml. Hochalpenstrasse ist weiterhin für Zweiräder gesperrt…
Nach einer angenehmen Nacht in Krimml will ich freudig meine „get one waterfall for free“ Karte des Hotels einlösen, die Dame ein Einlass lässt mich mit dem Rad allerdings nicht durch. Der Aufstieg direkt an den unteren Fällen ist nur Fußgänger vorbehalten.
Ich argumentiere, dass ich da wohl sowieso nicht hochfahren, sondern sowieso schieben würde: keine Chance. Also zurück und den alternativen Weg. Erst zwei Kehren über den Pass, dann ab in den Wald.
Als ich mich an der Steigung abkämpfe, zieht ein gut gelauntes Rentnerpaar an mir vorbei, natürlich mit elektrischer Unterstützung. Früher seien sie das auch ohne gefahren, heute aber nicht mehr…. Ich weiß nicht, wie mir das jetzt hilft, beiße mich aber weiter bergauf. Am oberen Ende der unteren Fälle eine kurze Rast, dann geht’s weiter.
Nun wird‘s aber richtig steil. Die ersten Paar Kehren schaffe ich noch, dann heißt es schieben. Ein Blick auf die Karte erklärt die fordernde Strecke: da hab ich wohl einen Abzweig übersehen.
Oben angekommen, wird es wieder flacher. Ich radel ins Achental hinein ( Hochtal?, Hochebene? Also halt schon oben, aber trotzdem rechts und links noch mehr Berge ) mit dem Ziel bis zum Talschluss zu kommen: ist noch ein Stück. Je höher ich komme, desto verschneiter wird es.
Das Ende des Tals kommt in Sicht: noch eine kleine Rast, dann ist es auf einmal weg. Wetter zieht auf, und dicke Wolken legen sich ins Tal. Nach dem, was das Wetter hier die letzten Tage angerichtet hat, leg ich mich lieber nicht damit an. Zudem hat gerade der Akku vom Telefon aufgegeben.
Also kurz vor Tagesziel wieder umdrehen und zurück. ( wenn sich hier ein Muster ergibt, sollte ich die Planung der Tour mindestens bis Triest erweitern, sodass ich wenigstens in Venedig ankomme)
Runterzu geht’s dann auch ohne Schieben. Am Nachmittag geht es nun also weiter entlang der Memory Lane zwei Täler weiter nach Fusch.
Kurz vor der Ortseinfahrt werde ich von einer Gruppe historischer Traktoren ausgebremst… mit niederländischen Kennzeichen 🧐 Sportliche Strecke, denke ich mir. Und „übern Pass schaffen die‘s heute wohl nicht mehr“. Im Quartier ( thematisch passend: Wasserfall Hotel) des Rätsels Lösung: Samstag ist Traktor WM. Da es noch nicht ganz Abend ist, noch ein kleiner Spaziergang zum örtlichen Wasserfall: kleiner, trotzdem schick.





Weiter ging es dann erstmal größtenteils mit dem Auto voran. Die ersten Kilometer bis zur Mautstelle primär hinter einer Kolonne Traktorfahrer. Dann geht’s rauf auf die Hochalpenstrasse.
Wie zum Hohn ist diese nun seit heute Morgen um 9 auch wieder für Radfahrende geöffnet. Wenn ich das Auto nun aber hier lasse, komm ich nie wieder dahin zurück 😅 Und ein bisschen mehr Spaß macht’s motorisiert auch – zumindest hinauf.
Gefühlt jede zweite Parkbucht wird angehalten und das geniale Alpenpanorama angeschaut. Oberhalb der Baumgrenze liegt doch recht gut Schnee.
Erste längere Pause dann an der Edelweißspitze. Hier soll ich den Gipfel des Großglockner das letzte Mal sehen, denn eine dicke Wolkendecke rollt über die Kämme.
Bald erstmal wieder ein gutes Stück bergab, statt nach Heiligenblut auf der Südseite dann aber hoch zur Franz Josephs Höhe. So ganz kann ich mir das mit dem Radfahren dann doch nicht verkneifen und packe für die letzten Kilometer doch das Rad aus. Nach gut 5 km dann oben angekommen, bin ich doch gut geschafft, und das quasi ohne Gepäck. Komplett wäre es das 8-fache gewesen… wohl doch die bessere Entscheidung die Auffahrt auf ein anderes Mal mit dickeren Waden zu verschieben.
Für’s Gipfelfoto feile ich weiter an der Selfie-Kompetenz – ausreichend stümperhaft, sodass sich eine nette Dame erbarmt und ein Foto macht.
Dann geht’s runter zum Gletscher. Hmm… früher war irgendwie mehr Lametta Pasterze. Bis ganz an den Gletschersee komme ich nicht. Zu viele Schneefelder und ich zu schlechte Ausrüstung. Nachdem ich im Souvenirshop noch Geld für ein paar Murmeltiersocken und eine Tasse – die ich ganz bestimmt unbedingt brauche – lasse, spiele ich noch ein wenig “finde das Murmeltier”.
Zurück zum Auto und ab ins Tal nach Heiligenblut für einen kleinen Spaziergang und ein verspätetes Mittagessen. Die Nähe zu Italien schmeckt man – wirklich gute Pizza! Letzte Etappe: immer weiter ins Tal hinab an der Möll entlang Richtung Lienz. Am Ende des Tals Richtung Süden erscheint ein neues Felspanorama. Sind das schon die Dolomiten ? Vielleicht, wer weiß, ich kenn mich hier auch nicht aus… In Lienz beziehe ich Quartier, und darf das Auto hier eine Woche stehen lassen – perfekt. Zum Abschluss noch ein kleiner Spaziergang durch die Innenstadt. Morgen geht’s dann wieder ausschließlich mit dem Rad weiter. Tagesziel Cortina d’Ampezzo. Nun hoffentlich ohne Sperrungen, Abbrüche oder ähnliches. Ich werde dann den restlichen Abend damit verbringen zu üben, was “Ich hab keinen blassen Schimmer, was du gerade gesagt hast” auf Italienisch heißt.
Dann also von Lienz nach Cortina. Dachte ich zumindest am Morgen noch.
Los geht’s bei strahlendem Sonnenschein Richtung Südwest immer die Drau entlang. Mit steigender Temperatur nimmt auch die Menge an Radfahrern zu. Ab der Hälfte der Strecke nach Toblach wird es richtig voll.
Mir fällt auf, das Wochenende ist, und alle noch die letzten Sommertage genießen wollen. Ich klemme mich hinter einen E-bike Fahrer, der die Situation wohl schon kennt. Hier im flachen sind seine abgeregelten 25 km/h auch für mich ein guter Wohlfühlpace. Ähnlich wie hinterm Vertreteraudi auf der Autobahn.
Kurz hinter der italienischen Grenze eine kurze Pause. Wasser auffüllen und Koffeinpegel mit Espresso korrigieren. Danach geht es am Toblacher See weiter durch ein Tal bis zum Lago di Landro. Zweite Rast.
Am See sitzend führe ich eine längere Diskussion mit meinen Beinen, ob das nicht eine tolle Idee wäre, statt nach Cortina weiter ins Tal hinab zu rollen, zu den 3 Zinnen zu fahren und dort auf der Hütte zu übernachten. Argumente wie “Aber schon 60km”, “vielleicht ist da ja ein Quartier mit Wanne”, “das sind nochmal fast 1000hm” kommen auf, werden aber überstimmt. Statt rechts nach Cortina also links die nächste Passstraße hoch. Die Beine maulen rum. Wird ignoriert.
Während ich mich den Anstieg hochkämpfe erinnere ich mich an den Fahrstil der Italiener. Wurde in Schweden noch ein großzügiger Bogen auf die Gegenspur eingeschlagen, müssen hier dann ein paar Zentimeter zwischen Außenspiegel und Ellenbogen reichen. Kurz vor Misurina dann Stau. Eine Kehre weiter stehen zwei sportliche BMW nebst schwerem Gerät. Der dritte der Runde wird gerade aufgeladen und schaut nicht mehr ganz so schick aus. Scheint aber bei einem (gehörigen) Blechschaden geblieben zu sein. Auf der anderen Seite werde ich mehrfach angesprochen, was denn da los sei (vermute ich…) “accident, fifteen minuti” muss als Info reichen 😅
Von Misurina an dann die erste Schiebeetappe. Hier wird es einfach zu steil. Am Lago Antorno dann nochmal eine kleine Rast, hier wird es wieder flacher. Eine Ente inspiziert interessiert mein Radl. Finger weg von den Proteinriegeln!!! Weiter geht es kurz darauf wieder bergab ( was soll das?! Die Höhenmeter will ich erst morgen wieder eintauschen, dann kommt der letzte Anstieg. Knapp 5km und 500hm. Nach kurzer Zeit steige ich wieder ab und schiebe den Rest. Der Ausblick lädt ja auch zum Wandern ein.
Zumindest sind die entgegenkommenden Autoreisenden supportive und feuern an. Vier Kehren vor Schluss dann wieder ein Stau. Diesmal bedingt durch eine Kuhherde, die umzieht. Noch bei Tageslicht komme ich oben an. Die Oberschenkel jammern, die Waden sagen schon seit einer Weile gar nix mehr. Noch schnell ein paar Fotos, bevor es zuzieht. Nach einem netten Schnack mit dem italienischen Pärchen auf dem Zimmer gibt’s Abendessen. Gar nicht mal schlecht, und der Körper langsam wieder versöhnlich. Die Fenster wurden zwischendurch gegen Milchglas getauscht. Die Wolken sind hoffentlich morgen früh wieder weg. Ich geh dann mal pennen, ab 22:00 wird hier sowieso der Strom abgedreht.







Ein Vorteil, so spät im Jahr hier zu sein, ist definitiv, dass auch ich am Morgen beobachten kann, wie die Sonne über die Berge kriecht und nicht noch im Bett liege.
Nach dem Frühstück geht es los zu einer Wanderung um die Zinnen. Hier nun auch der Beweis, dass es nicht an meiner mangelnden Kondition sondern vielmehr an der dünnen Luft liegt, dass ich schiebe. Andere behaupten, es läge daran, dass hier oben Radfahrern alles verboten ist, was Spaß macht. Dass ich das Gepäck auch in der Hütte lagern können, fällt mir erst später ein.
An der ersten Aussicht tummeln sich noch viele Touristen. Mein direkt am Radfahren-Verboten-Schild geparktes Rad dient auch einigen anderen als Fotomotiv. Drohnen sind hier oben auch nicht erwünscht. Ich lasse mir nochmal von einem Guide versichern, dass der Weg, den ich erspähe, auch funktioniert und wende mich vom offiziellen Trail ab. Hier heisst es schieben und teils tragen, aber besser als die lange Tour mit einer guten Ecke mehr Strecke und hm. Hier oben tragen selbst die Pferde Kuhglocken. Pferdglocken?
Bis Misurina geht es dann die asphaltierte Strecke zurück. Dabei wäre Auronzo bereits in Sicht. Dann ein kurzer Aufstieg, am Scheitelpunkt erste Pause: Das dicke Fleece brauche ich nicht mehr. Ein nettes Rentnerpaar macht hier auch gerade Rast und stockt nach kurzem Gespräch meinen Proviant mit einem Nougatbonbon auf. “Für den nächsten Anstieg” sag ich. Doch der kommt die nächsten 20km nicht mehr. Bis Auronzo geht es auf einer Schotterpiste quasi nur bergab.
Bald immer an einem – aktuell recht leeren – Flusslauf entlang. Sehr klares und vor allem blautürkises Wasser.
Kurz vor Auronzo gibt es eine erneute Diskussion mit den Beinen, denn man könnte auch nochmal auf 1800m hoch und statt durchs Tal über den Höhenzug zum Tagesziel. Alternativ gäbe es oben auch nochmal eine Hütte. Dessen Website ist allerdings out of Order und spätestens mit dem Blick auf die Rampe entscheiden wir uns gemeinschaftlich für den Schongang und radeln im Tal weiter.
Als ich am Lago di Santa Caterina ankomme steht fest: die färben nach. Das ist keine normale Farbe für Wasser!
Hinter Auronzo will ich die Nationalstraße meiden und nehme den parallelen Waldweg. Hier sind dann doch noch einige schwerere Steigungen auf grobem Schotter, sodass ich noch eine Schiebepassage einlege. Bin ich ja inzwischen geübt.
Dann ist der Weg auf einmal weg. Weggespült. Die Kilometer zurück sind aber auch keine Alternative. Also das Fahrrad einige Meter die Böschung hoch auf die Straße tragen. Nach einigen Kilometern kann ich wieder auf Nebenstraßen ausweichen und rolle noch durch ein paar verschlafene Dörfer. Am Quartier angekommen wird es mit der Kommunikation schwieriger, aber wir können uns verständigen. So, ich such mir jetzt ne Pizza
In Pieve di Cadore geht es los. Kleiner Ausflug zum örtlichen Supermarkt, die Vorräte an Riegeln wollen aufgefüllt werden. Irgendwas klappert. Einer der Flaschenhalter hat aufgegeben. Ich wusste, da hat bei den Tragepassagen an den Zinnen irgendwas geknackt.
Die Schotterpisten gestern gaben dem Ganzen dann wohl den Rest. Mit Beistand von St. MacGyverus – Schutzpatron der Provisorien – und einem Spanngurt wird’s wohl erstmal halten. Das Telefon meldet sich und faselt etwas von einer Unwetterwarnung. Verstehe ich nicht, hier ist strahlender Sonnenschein.
Es geht los auf der I4, die ich gestern erspäht habe, offizielle Route München <> Venedig. Venedig ist schon ausgeschildert, muss wohl richtig sein. Komoot ist erbost; das ist nicht die Route, die abgemacht war. Immer wieder versucht sie mich in die Irre zu führen. “Bei nächster Gelegenheit rechts” – ein Blick auf die Karte lässt das zu “geradeaus weiter” umdeuten.
Während ich immer weiter die Piave entlangfahre, werden die Berge rechts und links neben mir langsam aber sicher kleiner. Alle paar Kilometer ein neuer See. Die kleinen etwas entlegenen Ortschaften sind teils fast verlassen, haben aber ihren eigenen Charme.
Vor Soverenze hat jemand einen öffentlichen MTB-Kurs gebaut. Trotz Gepäck kam Rad kann ich den natürlich nicht liegen lassen – Komoot verliert nun vollends die Fassung.
Nach einer Rast geht es weiter, und ich treffe auf ein Pärchen, die ebenfalls Richtung Venedig unterwegs sind. Wir fahren ein gutes Stündchen zusammen. Bei netten Motiven falle ich etwas zurück, bei der nächsten Abzweigung hole ich die beiden wieder ein – navigieren wohl auch mit Komoot. 😅
Neues Tal, neuer See ( Lago di Santa Croce ). Ein zu großes Pferd futtert das Gebüsch weg. Zum nächsten Tal geht es nochmal ein Stück bergauf. Oben mache ich eine kurze Rast, die beiden Reisenden haben mich bald eingeholt und ziehen vorbei – “bis später” – sie wollen heute noch bis Treviso.
Die Fadalto Brücke kommt in Sicht. Hier wurde wohl einem Strassenbauingeneur ein Blankoscheck in die Hand gedrückt. Schon beeindruckend. Ich fahr unten entlang. I
ch bin übrigens immer noch der Meinung, dass die Seen hier keine natürliche Färbung haben. Jetzt wird Komoot richtig frech. Auf dem Weg nach Nove soll ich doch bitte umdrehen und den kaum mehr erkennbaren Trampelpfad neben der Bahnstrecke nehmen. Alternativ könne ich mich auch die Böschung hinunterstürzen – das sei kürzer. Lago morto – wie passend.
Ich verbiete meiner stänkernden Navigatorin den Mund und fahre den Schildern hinterher. Kurz vor Vittore Veneto fängt es dann doch an zuzuziehen und leichter Regen setzt ein. Eigentlich wollte ich noch ein gutes Stück weiter. Der Regen wird stärker und ich suche in einer Unterführung Unterschlupf, buche Unterkunft in Vittore. Natürlich hört der Regen kurz danach auf…
Da ich nun noch einiges an Zeit zur Verfügung hab, geht es erst zum örtlichen Fahrradladen, neue Getränkehalter shoppen. Danach hoch zu einer kleinen Kapelle, die ich aus der Ferne gesehen habe. Der Weg ist eher eine Treppe. Ein älterer Herr, der ebenfalls auf dem Weg hinauf ist, erklärt mir, dass es auch eine Straße gäbe. Gut zu wissen. Am ersten Ausblick mache ich Rast, er zieht weiter. Einige Zeit später geht’s weiter, der Herr kommt mir entgegen – sichtlich verwirrt, warum ich nicht den anderen Weg nehme – versucht es mir nochmal zu erklären. Ich versuche zu kommunizieren, dass ich die Straße dann runter zu nehme. … wenig Verständnis. Wie erkläre ich ihm, dass ich ein sturer Bock bin und das Fahrrad nun halt da hochtragen werde? Ich tippe mir a den Kopf und sage “mi idiota”. Scheint er zu akzeptieren. Er lacht, sagt mehr Sachen auf italienisch, dann verabschieden wir uns. 327 Stufen später finde ich besagten Weg. Noch ein kleines Stück rauf, dann die Belohnung mit einem großartigen Panorama. Richtung Norden die letzten Ausläufer der Alpen, gen Süden weites Land.
Wäre da der eine Hügel nicht und die Sicht besser, könnte man sicherlich Venedig schon sehen, weit ist es nicht mehr.







Das Wetter wurde gestern Abend noch ziemlich ungemütlich, am Morgen dann aber wieder strahlender Sonnenschein. Beim Frühstück ist die erste Frage nicht, Ob ich einen Kaffee möchte, sondern lediglich, wie. Gefällt mir immer besser hier 🙂
Zuerst nochmal eine Runde durch die Altstadt von Vittorio Veneto. Ohne graue Wolken direkt alles noch beschaulicher, dann geht es weiter Richtung Süden. Kühe rechts und links des Weges sind nun keine mehr zu finden, stattdessen nun immer mehr Weinberge. Ich versuche nicht bei jeder Kirche und zweitbestem Motiv stehen zu bleiben, sonst komme ich nicht mal mehr bis Treviso. In Conegliano haben sie nach dem Regen der letzten Nacht ihre Schirme zum trocknen rausgehangen. Etwas unpraktisch finde ich, aber hübsch anzuschauen. Danach geht es in die Prosecco Hills. Wunderschöne Landschaft voller Trauben. Gern hätte ich mir hier auch das Castello di San Salvatore näher angeschaut, ist leider geschlossen – nach der Saison zu reisen hat also nicht nur Vorteile. Auf der weiteren Route treffe ich noch auf einen weiteren Reisenden, der München <> Venedig door2door fährt, und Anfang letzter Woche gut mit dem Wetter zu kämpfen hatte. Er fährt nicht ganz mein Tempo, nach kurzer Zeit trennen wir uns wieder. Vielleicht sieht man sich nochmal in Venedig.
Bei Volpago del Montello verlasse ich endgültig die Berge, ab jetzt kommt nur noch flaches Land. Bis Treviso passiert nicht viel, es rollt sich so dahin. Ich erreiche Treviso gegen 15:00, oder wie man hier sagen würde “in einer halben Stunde machen vielleicht Geschäfte auf” (nur halt eben auf italienisch) Sehr schick hier, und ich rolle eine gute Weile kreuz und quer durch die Stadt; sehr zum Leidwesen meiner – heute wieder freundlicher gesinnten – Navigatorin. Sowohl die Wasserläufe durch die Stadt als auch die Menge an Touristen sind ein Vorgeschmack auf Venedig. Von hier aus geht es noch ein Stückchen die Sile entlang. Diese führt gut Wasser. Dass der Weg, den ich fahre, deswegen gesperrt ist, merke ich erst am Ende, als sich mir der Ausgang mit Flatterband versperrt.
Zumindest haben die Gewässer inzwischen wieder bekannte Farben. Gefühlt mitten im Nirgendwo steht ein kleines Landhaus in dem ich Quartier beziehe. Mangels angeschlossener Gastronomie fällt das Abendessen etwas reduzierter aber nicht weniger schmackhaft aus. Noch 30 km bis Venedig
Ich verlasse das liebliche Quartier mit dem Hinweis, dass ich auch Pellestrina anschauen soll. Von Osten kommend fahre ich am Flughafen vorbei und dann immer mit Blick auf die näher kommende Stadt am Ufer entlang nach Mestre.
Erstmal zum Bahnhof, die Rückfahrt abklären. Gar nicht so einfach. ÖBB App meint, eine Preisauskunft wäre nicht möglich, am Bahnhof gibt es nur die Info, dass man mir nicht weiterhelfen kann, da jedes Bahnunternehmen hier nur seinen eigenen Pool verwaltet. Ggf. kann man mir am Bahnhof Venedig weiterhelfen. Na gut, wollte ich sowieso hin. Der Weg zur Brücke wird noch einmal spannend, hier geht es durch dichten Verkehr ohne Radweg. Selbst die Routenführung von Komoot hätte mich hier nicht weiter in Gefahr bringen können.
Endlich auf der Brücke angekommen ist das Ziel zum greifen nahe. Am Ortseingangsschild Siegerfoto.
Noch einmal das Rad über die Brücke zum Bahnhof tragen, dann der nächste Versuch in Erfahrung zu bringen, wie und ob ich heim komme. Im Endeffekt buche ich die erste Teilstrecke via Verona am Schalter, das zweite Stück via SelfService Automat und das letzte Stück bis Lienz via App. Das Standard System weigert sich wohl, alternative Routen vorzuschlagen. Von Venedig nach Lienz soll ich gefälligst via Villach fahren, und mein Fahrrad halt hier lassen.
Rückreise gesichert, und nach einem kleinen Snack verlasse ich Venedig schon wieder und nehme die Fähre nach Lido. Natürlich nicht die kleine Personenfähre – bicicleta non grata – sondern mit der Autofähre ab Tronchetto. Die halbstündige Überfahrt kommt trotzdem einer Sightseeingtour gleich.
Auf Lido deutlich weniger Gewusel und ich rolle ein Stück die Lagune entlang. Bis Pellestrina schaffe ich es aufgrund der Zeit dann doch nicht mehr. An der Meerseite dann noch die maximale Entfernung zum Start (Luftlinie) rausgeholt. Weiter geht’s dann nur noch mit Boot. Zur golden Hour zurück mit der Fähre, leider fängt die Kamera das Licht nicht so schön ein.
Auf einem Campingplatz in Mestre beziehe ich mein “mobile home”. Auch okay, Dauercamper würde ich so aber nicht werden. Morgen dann aber wirklich Venedig – zu Fuß 😉






Final dann nun also wirklich Venedig. Statt dem Rad nehme ich den Bus, und merke wieder warum ich fiebernder Fan von dieser Fortbewegungsart bin.
In der Stadt angekommen, laufe ich dann einfach mal los. Wer braucht schon einen Plan, wenn man Zeit hat. Es ist ziemlich voll und so schlage ich Haken in jede leere Gasse.
Irgendwie landet man so doch an den Hotspots, wenn auch sicher in keiner in irgendeinem Guide vermerkten Reihenfolge. Größtenteils sind die Geschäfte voller sehr hochpreisigen Sachen oder den typischen “my friend went to Venice and all I got was this lousy …”-things. Dann ein Sockengeschäft. Da musste ich dann doch einen Blick hineinwerfen und etwas ärmer wieder herauskommen. Irgendwann lande ich dann doch auf dem Markusplatz. Definitiv Venedigs schönste Baustelle.
Für einen Besuch des Doms stehe ich nur eine halbe Stunde an. Schon sehr viel Gold hier. 😅 Generell wirkt Venedig ein wenig wie “free to play, pay to win”. Selbst nach Eintritt in den Dom versteckt sich hier drin hinter jeder Abzweigung eine weitere Kasse. Möchten sie den DLC “Basilika besuchen” für weitere 12€ buchen? Möchte ich dann eher nicht. Weiter geht’s rüber zur Basilica Santa Maria della Salute. Auch zur Hälfte eingetütet, trotzdem sehenswert.
Dahinter setze ich mich ans Wasser und lasse die Füße im Kanal etwas abkühlen. Weiter geht’s nach San Giorgio Maggiore. Neben der Kirche ist hier auch eine Ausstellung zu sehen. Die erste von dreien an diesem Tag und sogar kostenfrei – eine Dame erklärt mir später mit einem Augenzwinkern, dass aktuell alles, was es nicht zur Biennale geschafft hat, ausgestellt wird. Auch hier ein weiteres Feature zum kostenpflichtigen Unlock: “Fahrstuhl fahren” – ja, ich will; aus dem Glockenturm gibt es einen großartigen Ausblick über die Lagune. Ich möchte noch den Cimitero di San Michelle besuchen, das Boot fährt allerdings einfach weiter bis Murano. Schade, ich bin wohl zu spät, inzwischen wird es Abend. Ich schlendere noch eine Weile durch Murano, dann geht’s zurück in die Stadt. Mit dem groben Ziel zum Bahnhof zu kommen, finde ich in einem Hinterhof noch ein einladendes Lokal.
Viel zu gut und vor allem teuer zu speisen, war eingeplant, probieren wir es hier. Gut ist es allemal, teuer jedoch nicht – kann ich aber verschmerzen. Meine Tischnachbarn sind ein nettes Paar aus Seoul in den Flitterwochen. Wir unterhalten uns gut, speisen fast noch besser und die Zeit verfliegt.
Inzwischen ist es dunkel. Nach einer herzlichen Verabschiedung entscheide ich, mich noch ein wenig im beleuchteten Venedig zu verlaufen. Also so 3 Stunden lang. Irgendwann stehe ich wieder vor der Basilica Santa Maria, ohne so recht zu wissen, wie ich hier her gekommen bin. Na gut, wenn wir schonmal da sind, statten wir dem Markusplatz noch einen weiteren Besuch ab, die Boote fahren glücklicherweise noch. Von hier aus geht es nun aber wirklich zurück Richtung Bahnhof, die Busse zurück Richtung Unterkunft fahren auch nicht ewig.
Ciao Venezia, war schon bei dir. Sag Bescheid, wenn du Sandsäcke brauchst oder so